Brasilien

Brasilien ist das größte Land in ganz Südamerika. Es nimmt 47% der Landmasse des südamerikanischen Kontinents ein und grenzt an jedes andere südamerikanische Land außer Chile und Ecuador an. Mit mehr als 186 Millionen Einwohnern ist Brasilien auch das am meisten bevölkerte Land Südamerikas. Die Landessprache ist Portugiesisch. Das Land wird einerseits durch den gewaltigen Regenwald um den Amazonas im Norden und durch hohe Gebirgszüge im Süden geprägt. Die meiste Landwirtschaft findet im Mittleren Westen Stadt, wo ausgedehnte Savannengebiete vorliegen. Fast alle Großstädte und Metropolen findet man an der Atlantikküste vor. Nur wenige Großstädte befinden sich nennenswert weiter im Landesinneren. Diese Struktur ist natürlich nicht zuletzt der Kolonialzeit geschuldet, die auf Ausbeutung des Landes aus war und wodurch insbesondere die Hafenstädte gut ausgebaut wurden.

Rio de Janairo

Doch auch heute noch findet in Brasilien leider eine gewisse Ausbeutung statt. So ist Brasilien der größte Getreideexporteur der Welt und auch als Exporteur von Soja ist Brasilien bedeutungsvoll. Gleichzeitig leben aber viele Menschen in erbarmenswürdiger Armut. So leben etwa 30% aller Brasilianer unterhalb der Armutsgrenze. Über 20 Millionen Brasilianer sind dabei von extremer Armut und Unterernährung betroffen. Aberwitziger Weise leben etwa 70% dieser ärmsten der Armen auf dem Land – also genau dort, wo all die Nahrungsmittel angebaut werden. Dieser Missstand lässt sich wie folgt erklären: Ein Großteil der brasilianischen landwirtschaftlich nutzbaren Landfläche ist im Besitz weniger Großgrundbesitzer. Diese betreiben exzessiv Monokulturen und nutzen ganze Landstriche ausschließlich zur Viehzucht, zum Anbau von Getreide oder Soja. Teilweise werden ganze Landstriche sogar rein spekulativ gehandhabt. Sie dienen als Flächenreserve und werden überhaupt nicht genutzt! Demgegenüber steht, dass sich das verbleibende Land auf all die kleinen brasilianischen Bauern verteilt. 1,3  Millionen Kleinbauern müssen zwei Prozent der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche unter sich aufteilen! Daraus ergibt sich die Konsequenz, dass über 4,5 Millionen Bauernfamilien nicht mal ausreichend Land haben, um sich selbst zu ernähren. Sie haben noch nicht einmal genug, um selbst satt zu werden.

Hinzu kommt die Armut in den Städten. Jeder kennt die Bilder der Wellblechhütten in den Slums von Rio de Janeiro, Sao Paolo und Konsorten. Damit einhergehend plagt auch ein anderes Übel die brasilianische Bevölkerung – die hohe Kriminalität. In Brasilien finden täglich etwa 150 Morde statt. Die Polizei wird schlecht bezahlt, weshalb auch von ihrer Seite viel Korruption ausgeht. Das extreme Gefälle zwischen Arm und Reich in den großen Städten, viel Kriminalität und Korruption bei den Behörden bilden eine Kombination, die steter Quell für Probleme aller Art ist. Und die absurden Besitzverhältnisse außerhalb der Städte im Bereich der Landwirtschaft sorgen dafür, dass auch außerhalb der Metropolen große Armut vorherrscht.

Dies ist das andere Gesicht von Lateinamerika und insbesondere von Brasilien. So versorgt dieses Land, das wir mit tollen Fußball, Zuckerhut und Karneval verbinden, unsere Infrastruktur mit reichlich Getreide und dergleichen, das wir unseren Kühen zu fressen geben können, damit wir zu unseren saftigen Steaks kommen. Und gleichzeitig sind in Brasilien Millionen Bauern von massiver Unterernährung bedroht.